Wohnmobilreisen & Umwelt


Ich bin leider kein Umwelt-Engel, kein Öko-Heiliger und trotz meines stark eingeschränkten und möglichst nachhaltigen Konsumverhaltens wegen der eigentlich nicht notwendigen Reisen mit dem umwelt- und ressourcenbelastenden Wohnmobil, leider nicht so konsequent, wie ich es gerne wäre.

 

Ich habe aber in ein paar Blogbeiträgen "Umwelt-Themen" angeschnitten, die eben auch die Campingbranche betreffen und mir wichtig sind. Ich befinde mich bei diesem Thema wirklich in einem Dilemma: Ich möchte gerne reisen, aber auch die Umwelt möglichst wenig belasten. Das funktioniert zusammen nur leider nicht wirklich gut.

 

Hier ein paar persönliche Gedanken und Erfahrungen:

Auch wenn man immer häufiger in den Medien und der Werbung von Wohnmobilherstellern und WoMo-Vermietern liest, dass Camper-Reisen "richtig grün" seien:

 

Urlaub mit dem Wohnmobil ist weder "nachhaltig", "umweltfreundlich", "ressourcenschonend" noch "klimaneutral"!

 

Aber im Vergleich zu Flugreisen, Kreuzfahrten und Aufenthalten in großen Hotels kann die Umweltbilanz durchaus etwas besser aussehen, wenn man Camping-Urlaub macht (und einer aktuellen Studie glaubt). Die Branche boomt seit Jahren, die Zulassungszahlen für Reisemobile und Caravans steigen enorm und die Coronapandemie hat das alles noch extrem gepusht. Im Jahr 2020 wurden erstmals über 107.000 Freizeitfahrzeuge neu zugelassen, davon waren 78.000 motorisierte Reisemobile (insbesondere Kastenwagen). Sie legten mit einer Steigerung von rund 45 Prozent besonders stark zu. Auch für 2021 erwartet der Caravaning Industrie Verband (CIVD) wieder neue Rekorde.

 

Zulassungszahlen Ende 2020 in Deutschland: 674.697 Reisemobile und 722.516 Wohnwagen bzw. Caravans ergeben gesamt mehr als 1.397.000 Freizeitfahrzeuge. (Quelle: Statista)

 

Leider wächst die Anzahl der Camping- und Stellplätze nicht annähernd so stark, dafür werden aber die Übernachtungsverbote in ganz Europa deutlich verschärft - das kann nicht gut ausgehen...

 

Der rasante Zuwachs an Campern stellt ein immer größer werdendes Problem dar: Fast alle Camping- und Stellplätze sind - wenn nicht durch Coronamaßnahmen geschlossen - ausgebucht und das oftmals illegale "Freistehen" nimmt dadurch extrem zu. Leider auch die direkten Auswirkungen auf die Umwelt: Viele Wanderparkplätze werden als "Campingplatz" missbraucht und häufig völlig verdreckt zurückgelassen. Das hat zur Folge, dass es immer mehr Verbote für Wohnmobilfahrer geben wird, im öffentlichen Verkehrsraum zu "übernachten".

 

Auch wenn man nicht mit dem Mobil auf Reisen ist, stellt das große Fahrzeug, das meist als Zweit-, Dritt-, oder Viertfahrzeug zugelassen ist, besonders in Städten ein großes Problem dar: Alles wird dauerhaft mit oftmals 6 bis 9 Meter langen Reisemobilen zugeparkt! Wohnviertel genauso wie PKW-Parkplätze vor Sporthallen, Schwimmbädern und sogar als Dauerparker auf Womo-Stellplätzen - sofern sie kostenlos sind!

 

An dieser Stelle zur Info und nicht zur "Reinwaschung" meines schlechten Gewissens: Ich nutze mein relativ kleines, auf normale PKW-Parkplätze passendes Womo als einziges Kraftfahrzeug und nahezu alle Fahrten sind Reisen mit Übernachtungen. Kurzstrecken werden damit nicht zurückgelegt. Viel besser wird die Gesamtsituation dadurch aber auch nicht ...

Blogartikel zum Thema "Womo und Umwelt"


 

Die angebliche "Freiheit" der Camper

  • 04/2020: Es ist eine Illusion: Einige Camper meinen, mit dem Kauf eines Wohnmobils auch die "Freiheit" einer uneingeschränkten Nutzung erworben zu haben. Zum Glück ist das aber nicht so - die Realität sieht anders aus! [Mehr lesen...]

 

Klimawandel und Wohnmobilreisen - ein Konflikt?

  • 03/2019, 01/2020, 07/2021: Wohnmobilreisen in Zeiten einer Klimakrise - können wir das noch verantworten? Für uns persönlich ist das nicht leicht zu beantworten. [Mehr lesen...]

Weitere Info und Links


Fahren und Parken im Wald ist für Kraftfahrzeuge verboten!

 

Ooops - ich wusste das bislang (03/22) im Detail tatsächlich nicht: Ob man einen Waldweg mit einem Kraftfahrzeug befahren, oder dieses im Wald abstellen darf, ist in Deutschland Ländersache. Die Bußgeldregelungen ebenso. Die Gründe für ein Verbot sind eigentlich klar: Brandgefahr durch Auspuff und Katalysator und mögliche Boden- bzw. Wasserverunreinigung durch Öl- oder Bremsflüssigkeitsverlust etc. Wer dagegen verstößt und erwischt wird, muss (richtigerweise) mit hohen Strafen rechnen. Die Bußgeldtabelle findest du hier:

  • Baden-Württemberg bis zu 2.500 Euro bzw. in schweren Fällen bis zu 10.000 Euro
  • Berlin bis zu 10.000 Euro
  • Brandenburg bis zu 20.000 Euro
  • Hessen bis zu 1.000 Euro
  • Mecklenburg-Vorpommern bis zu 7.500 Euro
  • Nordrhein-Westfalen bis zu 25.000 Euro
  • Rheinland-Pfalz bis zu 2.500 Euro bzw. in schweren Fällen bis zu 10.000 Euro
  • Saarland bis zu 5.000 Euro
  • Sachsen bis zu 2.500 Euro bzw. in schweren Fällen bis zu 10.000 Euro 
  • Schleswig-Holstein bis zu 2.500 Euro
  • Thüringen bis zu 2.500 Euro

Was lerne ich daraus? Ich parke ab sofort nicht mehr auf Waldwegen! Auf einigen Fotos hier im Blog sieht man, dass ich das bisher ab und an mal gemacht habe. Übrigens ist auch vor den Durchfahrtsverbotsschildern das Parken nicht gestattet - also zwischen öffentlicher Asphaltstraße und Verbotsschild auf dem Waldweg. Erlaubt ist, lediglich im öffentlichen Straßenverkehr und auf ausgewiesenen Wanderparkplätzen zu parken. Das bedeutet, dass es immer schwieriger wird, einen guten Startplatz für Wanderungen im Wald zu finden - die Gründe dafür, sind für mich aber gut nachvollziehbar.

(Quelle: Bußgeldkatalog)



Tempolimit auf Autobahnen: Europaweit für alle, sofort und unbefristet!

Camper-Hinterlassenschaften an einem Strand in der Bretagne
Camper-Hinterlassenschaften an einem Strand in der Bretagne

Ich weiß, dass viele Camper sehr gerne grillen ... ;-)

 

J.R.
J.R.