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Durch die Abruzzen und Umbrien

Die Stadt Assisi kurz vor einem heftigen Gewitter
Die Stadt Assisi kurz vor einem heftigen Gewitter

 

Bella Italia?

 

Seitdem ich im 11. Schuljahr eine Studienreise nach Italien gemacht habe, war dieses Land ein erklärtes Traum-Urlaubsziel von mir. Damals reisten wir mit dem Zug nach Sorrent, im Golf von Neapel - mit Ausflügen nach Capri und Pompeji. Die steile Küste und das Meer, die Lebensart, das großartige Essen, darunter besonders das italienische Eis - all das hatte mich fasziniert und ich habe immer gehofft, noch einmal zurückzukommen.

 

Leider ist mein Eindruck dieses Mal etwas anders, da unsere Art des Reisens dieses Mal eine andere ist. Die besagte italienische Lebensart im Straßenverkehr zu erleben, ist eine echte Herausforderung! Dichtes Auffahren, Drängeln, Hupen, gefährliches Überholen und dann beim Einscheren noch "schneiden" - das erleben wir täglich und macht das Fahren nicht besonders entspannt. Wenn wir dann auch noch durch touristisch überlaufene Gegenden fahren, wie zum Beispiel entlang des Gardasees, dann wird es eine echte Tortur. Also verlegen wir unsere Route wieder auf die Landstraße und durch kleinere Orte. Da ergibt sich dann das nächste Problem, denn diese Strecken haben recht schlechte Straßen. So holpern wir uns durch die Toskana und Umbrien.

 

Abseits der Touristenorte ist Italien teilweise recht marode und was wirklich auffällig ist, auch recht vermüllt. Überall liegt Weggeworfenes, an jedem Straßenrand, jedem Rastplatz, jedem Wanderweg - es ist wirklich traurig.

 

Zum Glück habe ich inzwischen wenigstens das original italienische Eis gefunden, das nach wie vor einmalig ist. Und richtig gut gegessen haben wir auch schon.

 

Landschaftlich hat uns schon die Toskana entschädigt, die nur leider unter dem sehr heißen Sommer gelitten hat, ebenso die Gegend um den Gran Sasso.

 

 

Die Adria-Strände bei Giulanova erleben wir menschenleer aufgrund der Nachsaison und zum Glück auch recht sauber. Strandliege an Strandliege, Sonnenschirm an Sonnenschirm und Strandbar an Strandbar sind aber auch nicht so unser Ding. Ein riesiger Nachtfalter und die Ecke einer Umkleidekabine waren hier noch die spannendsten Entdeckungen am Strand ...

 

 

Wir werden weiter Ausschau halten nach den schönen Momenten in "Bella Italia", bevor wir den langsamen Rückweg in die deutlich kühlere Heimat antreten.

 

Es kommt aber leider erstmal anders:

Katastrophen

 

Auf dem Weg zum Gran Sasso Nationalpark und den Sibillinischen Bergen kommen wir auch durch die Hauptstadt der Abruzzen, L'Aquila. Uns fallen schon bei der Einfahrt in die Stadt die Baugerüste um viele Gebäude auf. Je weiter wir in die Stadt fahren, um so mehr werden es. Seltsam, fast alle Häuser haben immense Risse und einige sind sogar durch riesige umlaufenden Stahlseile gesichert. So soll verhindert werden, dass sie vollends auseinanderfallen. Wir geben den Namen der Stadt in eine Internetsuchmaschine ein und erfahren schnell den Grund für diese Schäden: 2009 wurde die Region um L'Aquila von einem schweren Erdbeben heimgesucht und bis heute sind die Schäden nicht beseitigt. Es sieht teilweise immer noch erschreckend aus. Wir entscheiden, keine Fotos zu machen und fahren recht schnell aus der Stadt in Richtung der Abruzzen-Nationalparks.

 

In der Nähe des Gran Sasso Nationalparks
In der Nähe des Gran Sasso Nationalparks

 

Blöderweise sind wir schlecht vorbereitet und versäumen auch aufgrund des schlimmsten Gewitters mit Orkanböen, das wir je erlebt haben, die richtige Zufahrt zum Gran Sasso Park. Zurück wollen wir nicht, deshalb geht es mit einem kleinen Abstecher an die Küste und anschliessend in die Sibillinischen Berge. Wir kommen auf der Fahrt durch diese schöne Gebirgslandschaft an einem Dörfchen vorbei, das aus der Ferne sehr idyllisch aussieht. Als wir anhalten und genauer hinschauen, trauen wir unseren Augen nicht: Das komplette Dorf ist ein Geisterdorf. Überall eingestürzte Dächer und Wände, tiefe Risse in den noch stehenden Gebäuden und an jeder Ecke riesige Steinhaufen. Wir sind wirklich geschockt, denn auch hier gab es vor einem Jahr ein schweres Erdbeben. Mehr als 350 Opfer gab es damals in der Region und vor nur zweieinhalb Monaten folgte ein weiteres Beben, sodass überall noch Mitarbeiter des Militärs, der Polizei und des Katastrophenschutzes mit Sicherungs- und Aufräumarbeiten beschäftigt sind. Wir haben ein mulmiges Gefühl im Magen und wollen schnell weiter. Aber nach wenigen Kilometern erfahren wir, dass die Straße, die wir durch die Berge nehmen wollen, aufgrund des letzten Bebens unpassierbar geworden ist. Wir müssen fast bis zur Küste zurück und die Sibillinischen Berge umfahren.

 

In den folgenden Stunden waren wir recht schweigsam, denn wir mussten die Eindrücke und das Entsetzen erst einmal verarbeiten. Und ich rege mich auf, wenn ich mal einen kleinen Kratzer am Auto entdecke ...

 

Umbrien

 

Wir fahren Richtung Nord-Osten nach Umbrien durch schöne hügelige Landschaften und übernachten in der kleinen Stadt Bevagna. Am nächsten Tag schauen wir uns die Altstadt mit all ihren engen Gassen und den kleinen Lädchen an.

 

 

Die Po-Ebene durchfahren wir in Richtung Norden genauso schnell, wie bei der Fahrt nach Süden. Wir finden die Gegend fürchterlich. Große Landwirtschaftsflächen, verdreckte Flüsse und Kanäle und völlig verrückte Autofahrer. Aber wir haben wieder einmal die größeren Städte links und rechts liegen lassen - vielleicht wäre da die ein oder andere positive Überraschung  dabei gewesen...

 

Wir steuern einen netten Campingplatz am Lago Iseo an. Er ist der "kleine Bruder" vom Gardasee und liegt nur eine halbe Stunde östlich von ihm. Dort ist wesentlich weniger los und wir haben einen richtig schönen und ruhigenTag am See.

 

Lago Iseo
Lago Iseo
Lago Iseo
Lago Iseo
Kommentare: 3
  • #3

    jule (Donnerstag, 08 Februar 2018 18:44)

    Ein toller Artikel über mein Lieblingsland und sogar auch meine liebste Urlaubsregion: Die Abruzzen. Ich bedauere auch sehr, dass ich Aquila nicht vor dem Erdbeeben kennen gelernt habe. Es muss eine wundervolle Stadt gewesen sein. Die sich langsam von dieser Katastrophe erholt. Besonders gut gefällt mir das Foto der Distel - ich habe selbst etliche Fotos von diesen lilanen Disteln gemacht und bin ganz vernarrt in sie.
    Liebe Grüße - Jule von www.expedition-abruzzen.de

  • #2

    Hans (Donnerstag, 28 September 2017 13:18)

    Hallo ihr beiden!!
    wollte mich noch mal melden. Wie immer tolle Berichte und Bilder. Schade daß die Zeit bald vorüber ist. Dann ist ja Schluss mit schöne Fotos und den dazugehörigen Bericht. Man hat sich im Laufe der Zeit daran gewöhnt gut informiert zu werden. Weiterhin schönen Urlaub, weiterhin alles Gute bis zum nächsten online Besuch.
    LG Hans

  • #1

    Anne (Samstag, 23 September 2017 18:55)

    Lieber Jörg, liebe Andrea,

    ja - der kleine Kratzer, der einen am neuen Womo ärgert,... die Grippe mit der man im Bett liegt und sich "völlig fertig" fühlt, während man einen Blog liest von Menschen, die wirklich wissen, was Krankheit bedeutet... es ist alles relativ... kein Leid ist mit dem anderen vergleichbar. Ich wüsste jetzt nicht was schwerer wiegt - die Krankheit, die untrennbar mit deinem Leben verbunden ist, oder das Leid der Erdbebenopfer...
    Mitleid hilft Euch nicht weiter - aber ich bewundere aus tiefem Herzen Eure Fähigkeit mit den gegebenen Umständen umzugehen und das Beste draus zu machen! Und dabei noch andere an eurer wunderschönen Reise teilhaben zu lassen - die hinter diesem tollen Blog sicher auch viele schwere Momente verbirgt. Ich wünsche Euch die beste Zeit Eures Lebens - und vielleicht kannst du irgendwann den Kratzer in der Schiebetür lachend mit der Erinnerung an die dicke Frau auf dem leeren Parkplatz verbinden ;) - habt viel Freude!

    Anne