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Bilkyrkogården Kyrkö Mosse - ein Autofriedhof

 

Schon lange vor unserer Abreise entdeckte Jörg im Internet ein paar Bilder eines alten schwedischen Autofriedhofs in der Nähe von Ryd. Diese Fotos machten uns neugierig und wir wollten unbedingt alles mit eigenen Augen und durch unsere eigenen Kameras sehen.

 

Åke Danielsson, ein junger schwedischer Torfstecher, besaß in den 50er Jahren ein Waldstück im Moor "Kyrkö Mosse" westlich der Ortschaft Ryd. Als man mit dem Torfstechen kein Geld mehr verdienen konnte, wandte sich Åke seiner Leidenschaft - dem Reparieren und Restaurieren von Automobilen - zu. Er kaufte verschiedene Autos, auch um daraus Teile auszubauen und zu verkaufen. Andere wurden ihm von Einwohnern aus der Umgebung aufs Grundstück gestellt, wenn sie nicht mehr zu gebrauchen waren.

 

Åke lebte wie ein Aussteiger bis 1992 auf diesem Grundstück im Wald - seine kleine Hütte und die angrenzende Werkstatt zeugen noch davon, wie zurückgezogen und bescheiden dieses Leben gewesen sein muss. Auf verschiedenen Infotafeln wird gezeigt, wie das Grundstück zu Åkes Lebzeiten ausgesehen hat. Und auf einem ist er selbst zu sehen, ein sympathisch wirkender Einsiedler mit Karohemd, Rauschebart und Pfeife im Mund. Nachdem er 1999 verstorben war, gab es ausgiebige Diskussionen, was mit dem Gelände und den Autos geschehen soll. Mit dem Ergebnis, dass man alles genauso belassen hat, wie es war. Zur Freude aller "Lost Places" Liebhaber. Es fällt auf, dass hier zahlreiche amerikanische Fahrzeuge stehen. Die Schweden hatten wohl schon immer eine Leidenschaft für besondere Autos. Seit dem wir hier sind, begegnen uns ständig schöne amerikanische Oldtimer auf den Straßen.

 

Wir sind wirklich staunend durch dieses Vermächtnis gewandert. Wir haben gar nicht viel gesprochen - ständig hörte man nur das Klicken unserer Kameras. Zum einen, weil es wirklich beeindruckend ist zu sehen, wie die Natur sich diesen Platz über die Jahrzehnte wieder zu eigen macht. Die Fahrzeuge rosten, brechen ein, versinken, werden vom Moos überwuchert oder von Bäumen durchwachsen. Die Farbe blättert ab und Einzelteile verstreuen sich über das Gelände. Die Hütten sind teilweise kurz vor ihrem endgültigen Zusammenbruch (und trotzdem lassen doofe Touristen ihre Kleinkinder hineinlaufen!). Man kann erahnen, dass in einigen Jahrzehnten kaum noch etwas von Åkes Vermächtnis zu sehen sein wird. Zum anderen, weil die Geschichten der Autos immer auch die Geschichten von Menschen erzählen. Wir stellten uns vor, wie die Besitzer  sich damals diese Autos endlich vom hart verdienten Geld leisten konnten, sie dann stolz präsentierten und in den Nachkriegsjahren ausfuhren. Geschichten von Rock'n Roll aus den Lautsprechern bei heruntergekurbelten Fenstern und dem ersten Rendezvous mit dem Mädchen im Petticoat. Geschichten von Vergänglichkeit. Ein Thema, das uns immer wieder - und im Moment ganz besonders - beschäftigt.

 

Alles in allem war das für uns ein ganz außergewöhnlicher Ausflug.

 

Bilkyrkogården Kyrkö Mosse
(A)
Bilkyrkogården Kyrkö Mosse
Bilkyrkogården Kyrkö Mosse
Dabei fällt auf, dass auch zahlreiche amerikanische Fahrzeuge hier stehen. Die Schweden hatten wohl schon immer eine Leidenschaft für besondere Autos. Auch uns sind in den letzten Tagen schon so manche amerikanische Auto-Schönheiten begegnet.
(A)
Kommentare: 5
  • #5

    René (Dienstag, 22 Mai 2018 16:30)

    Hallo,
    das ist ja toll, wir werden diesen Sommer nach Schweden fahren. Das möchte ich unbedingt auch sehen - danke für den Tipp!!!
    Grüße René

  • #4

    Andrea & Jörg (Dienstag, 01 August 2017)

    Dankeschön für euren netten Kommentare -
    wir freuen uns immer sehr darüber!
    Liebe Grüße

  • #3

    Jürgen (Samstag, 29 Juli 2017 16:16)

    Super Motive! Toller Blog!
    Weiterhin viel Spaß in Skandinavien,
    Jürgen

  • #2

    Robert (Dienstag, 25 Juli 2017 11:45)

    Das sind ja im wahrsten Sinne des Wortes abgefahrene Motive. Super fotografiert! Schade, daß es so etwas bei uns gar nicht mehr gibt.

    Gruß Robert

  • #1

    Hans (Dienstag, 25 Juli 2017 09:32)

    Schön daß Karl wieder rollt. Ein Zeichen daß die schweren Tage zu Ende sind . Nun können wir wieder mit tollen Fotos und Berichten rechnen. Bleib gesund und bis zum nächsten Mal.
    Hans