· 

Endlich - die erste Tour 2018 !

Man kann es nicht anders nennen: Es lief in den letzten Monaten nicht so optimal bei mir. Nach einer mehrwöchigen Krankenhaus-Odyssee durch die ganze Republik hatte ich die Schnauze voll vom Klinik-Alltag. Jetzt ist es damit aber hoffentlich erst einmal vorbei!

Mindestens eine Woche nach der Operation soll ich kein Autofahren und den linken Arm weitere sechs Wochen schonen, sagt der junge, nette und scheinbar sehr kompetente Kardiologe aus der Elektrophysiologie am Entlassungstag!

Nach einer 3,5 stündigen Heimfahrt im Taxi und einem ebenso langen und vor allem einseitigen Taxifahrermonolog vom Herzzentrum in Hessen komme ich endlich wieder in Niedersachsen an. Es geht die ersten Tage trotz Schmerztabletten körperlich rein gar nichts. Am sechsten Tag habe ich dann einarmig und unter einer ordentlichen Novalgin-Dröhnung das Wohnmobil reisefertig gemacht. Nur das Nötigste halt: Ein paar Klamotten eingepackt, den Frischwassertank befüllt und die EC- und Kreditkarten gecheckt. Mehr braucht es nicht. Den mit Sicherheit sehr sinnvollen ärztlichen Rat habe ich mehr als exakt befolgt und starte genau am siebten Tag (den OP-Tag habe ich ganz egoistisch komplett mitgezählt) mit dem Camper! Das Fahren klappt auf der Autobahn gut – sonst würde ich es auch nicht machen.

 

Das Besondere an dieser Reise ist leider, dass ich sie allein mache!

 

Ich fahre nur etwas über zwei Stunden nach Bad Pyrmont, wo Andrea seit einigen Tagen und mindestens noch für die nächsten vier Wochen zur Rehabilitation ist. Bei bestem Wetter besuche ich sie im sehr netten und beschaulichen Kurort und verbringe mit ihr zwei wirklich schöne Tage. Wir gehen zweimal sehr gut Essen und ich genieße das kulinarische Kontrastprogramm zur Krankenhauskost, die ich die letzten drei Wochen zu mir nehmen musste. Am Montag Nachmittag und mit einem Spaghetti-Eis im Bauch fahre ich leider allein weiter. Es fällt mir wirklich sehr schwer, aber anders geht es momentan nicht. In spätestens fünf Wochen muss (nein, darf) ich schon wieder für 9 Tage in die Universitätsmedizin nach Greifswald. Die Therapie dort schlägt scheinbar recht gut an, deshalb kann ich es kaum erwarten - ganz ernsthaft!!!

 

Die Landschaft zwischen Bad Pyrmont und dem angestrebten Reinhardswald ist außergewöhnlich schön. Schade, dass ich hier nicht schon früher mal unterwegs war. Das Fahren durch die vielen Kurven strengt nun doch etwas an und die Schmerzen nehmen zu. Erst am Abend komme ich an der Sababurg im Rheinhardswald an und übernachte einsam auf dem Schlossparkplatz. Weit und breit kein Auto, nur ein einziges und scheinbar unbewohntes Haus unterhalb der Burg unweit des Parkplatzes.

 

Am nächsten Morgen klopft es laut um 5:30 Uhr – also quasi mitten in der Nacht und nur kurz nach Sonnenaufgang – an der Heckscheibe. Ich schrecke hoch, sehe durch den Rolloschlitz lediglich eine dunkle Schirmmütze und denke sofort an irgendeinen Ordnungshüter, der mich vom Parkplatz verjagen möchte, aber dann bekomme ich lediglich eine eine einzige Frage gestellt, die ich beim besten Willen nicht beantworten kann: „Wissen Sie wo Kussnitz (oder so ähnlich) wohnt? Ich muss ein Paket zustellen!“ Als ich das deutlich verneine höre ich nur noch ein „Scheiße – aber trotzdem Danke!“. Seltsam, der Zustellungsversuch eines Paketdienstfahrers um diese Zeit - ob er wohl schon die ganze Nacht im dunklen Reinhardswald gesucht hat?

 

Ich schlafe noch ein Stündchen bis halb sieben und fahre dann zum „Urwald Sababurg“ - einem schönen kleinen Waldstück unweit des Tierparks, das früher als Hutewald, also mit Rindern und besonders Schweinen bewirtschaftet wurde. Das Vieh wurde zur "Eichelmast" in den Wald getrieben, weil die Wiesen zu selten oder zu karg waren. Was davon heute noch zu sehen ist, sind uralte knochige Eichen. Die kurze Wanderung strengt mich enorm an und selbst das Tragen der kleinen Kompaktkamera wird mir nach wenigen hundert Metern zu schwer. Ich breche nach nur einer halben Stunde im Schneckentempo ab und laufe nur die kleine Runde. Ich bin froh, das Auto noch aufrecht zu erreichen. Alles tut höllisch weh - Muskeln sowie Kondition sind einfach noch nicht vorhanden. Erst nach einem zweiten Müsli-Frühstück und einer langen Verschnaufpause geht es dann gemächlich mit dem Wohnmobil bei allerbestem Wetter durch den tollen Reinhardswald und entlang der Werra Richtung Thüringen. Ich möchte zum Nationalpark Hainich in der Nähe von Eisenach!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 1
  • #1

    Wibke (Donnerstag, 10 Mai 2018 14:22)

    Hallo Jörg,
    wie schön, dass Du wieder unterwegs bist, wenn auch angeschlagen. Als heimliche Mitleserin von Anfang an, wünsche ich Andrea und Dir, dass Ihr bald wieder gemeinsam unterwegs sein und zumindest einigermaßen fit weitere schöne Berichte mit tollen Fotos ins Netz stellen könnt. Die habe ich nämlich in der Zwischenzeit vermisst und mir Gedanken gemacht, was bei Euch los ist.
    Viele Grüße, Wibke