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Elsass, Vogesen und dann weiter in den Süden ...

 

Carl war schon wieder in der Werkstatt – diesmal aber erfolgreich! Direkt nach dem Besuch von Steffi und Johann wollten wir entspannt und gut gelaunt Richtung Frankreich fahren, doch schon auf den ersten Metern nervte mich das Gedröhne von Carls Motor bei niedrigen Drehzahlen enorm. Wenn man langsam durch die Dörfer fuhr war es für mich wirklich nicht zu ertragen. Der Reparaturversuch in der Fachwerkstatt in der Heimat schlug ja leider fehl, deswegen sind wir in St. Wendel nochmal in eine Citroën-Werkstatt gefahren. Zwei total nette Werkstattmechaniker, die ich anfangs wegen ihres Saarländer Dialekts kaum verstanden hatte, haben 60 Sekunden lang gemeinsam ihre Köpfe in den Motorraum gehalten und dann die Ursache des Geräuschs entdeckt: Lockere Leitungen und Schläuche, die sie dann geschickt mit Dämmmaterial versahen und fest fixierten. Endlich Ruhe – auch für Andrea, die nun nicht mehr alle drei Minuten mein Gefluche über das Kackauto anhören musste. Von da an flüsterte der Motor angenehm leise und das Fahren macht nun wirklich einen großen Spaß!

 

Wir sind in vier Tagen vom Saarland nach Frankreich gefahren. Zunächst haben wir uns Colmar angeschaut und dann ging es über die wirklich beeindruckend schönen und zum Teil noch mit Restschnee bedeckten Vogesen mit ihren fast 1900 m hohen Pässen nach Süden Richtung Dijon dann nach Buxy und Cluny gefahren. Hier in der Gegend ist die Landschaft traumhaft: leicht hügelig, viele kleine Wälder und schöne Wiesen und Auen mit kleinen naturbelassenen klaren Bächen. Eigentlich ist das meine Lieblingslandschaft und – das kann ich beurteilen – noch relativ intakt im Vergleich zu den industriellen Agrarlandschaften im südwestlichen Niedersachsen.Wir sahen unheimlich viele Tier- und Pflanzenarten, die ich in Deutschland seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr beobachten konnte. Auffallend ist auch, dass unsere Windschutzscheibe total verdreckt von Insektenleichen ist. Zuhause konnte ich das ganze Jahr über fahren und musste nie wegen Insekten die Scheibe reinigen! Auch die Städte und Dörfer der Region mit ihren total hübschen, fast mittelalterlich wirkenden Steinhäusern und den engen Gassen beeindrucken uns sehr.

 

Gestern kam es uns dann so vor, als ob uns jemand dazu bringen wollte, die Reise nach nur fünf Tagen abzubrechen, nach Hause zu fahren, das Auto zu verkaufen, um dann sechs Monate gepflegt auf dem Sofa zu verbringen! Wir waren beide angespannt und leicht gereizt - wohl wegen Übermüdung und Erschöpfung. Die mangelnde Konzentration löste eine echte Desasterwelle aus:

  • Beim Tanken habe ich die halbe Tankstelle geflutet und den kompletten Schlüsselbund mit meinem Lieblingsband versaut, weil ich ja unbedingt einen glatten Eurobetrag erreichen wollte.
  • Beim heftig-hektischen Versuch die Hecktüren zu schließen habe ich dann die erste Delle ins Blech gehackt, weil ich ich abgerutscht bin. Da kam echt Freude bei mir auf!
  • Die neue Sony Kamera habe ich fallen lassen, als Andrea sie mir geben wollte – es ist aber nichts kaputt gegangen.
  • Beim Kochen verbrühte ich mir zwei Finger der linken Hand mit kochendem Wasser. Tat höllisch weh!
  • Andrea lässt den Tomatensoßen-Löffel mit viel Soße fallen: Nachdem er meine Jeans versaut hatte landete er auf dem hellen Tretford-Teppich.
  • Als die Tomatensoßenflecken einigermaßen beseitigt waren, warf ich dann noch zum abendlichen Finale ein Glas mit rotem Traubensaft hinterher: Jetzt hatte ich wenigstens eine andere Stelle vom Teppich erwischt und leider auch Andreas Lieblingstasche.

Am Abend war dann wieder alles vergessen (bis auf den Dieselgestank des vollgelaufenen, aber noch funktionierenden Auto-Funkschlüssels) und das Essen war immerhin sehr lecker. Frisch geduscht ging es auf dem netten kleinen Campingplatz an der Rhone ins Bett in der Hoffnung, dass hier nicht auch noch etwas in die Hose geht!  ;-)

 

Nachts wurde ich durch eine lautstarke Steinkauzpaarung geweckt! Das aufgedrehte Kauz-Männchen rief fast die ganze Nacht durch. Für mich ein besonderes Erlebnis. Das Schlafen im Auto ist für uns immer noch etwas gewöhnungsbedürftig. Die 140 cm Breite sind schon recht knapp, wenn man zuhause über 180 cm verfügt. Kontaktlos schlafen ist nicht möglich ;-) . Die Matratze ist jedoch recht bequem und unser Bettzeug warm genug. Das ist auch gut so, denn in den letzten Nächten fielen die Temperaturen außerhalb des Campers auf Werte nur knapp über dem Gefrierpunkt. Nach Andreas morgendlicher Wirbelsäulengymnastik in der wärmenden Sonne und einem guten Frühstück brachen wir in Richtung Ardeche-Region auf ...

 

Kommentare: 7
  • #7

    Katharina (Freitag, 28 April 2017 10:37)

    Hallo Ihr Beiden! Ich war sehr gespannt auf Eure Bilder und Berichte, bin begeistert von Eurem Plan und die Bilder einfach nur traumhaft. Ich wünsche Euch weiterhin eine tolle und spannende Reise und werde Eure Beiträge selbstverständlich weiter verfolgen!:-) Alles Gute Euch Beiden und liebe Grüsse aus Kaiserslautern!

  • #6

    Dori (Mittwoch, 26 April 2017 22:12)

    Wunderbarer Bericht �
    Als wäre man dabei �

  • #5

    Frank Schmidt (Mittwoch, 26 April 2017 20:24)

    Es macht auf jeden Fall Spaß, euer Tagebuch zu lesen. Bitte weiter so ! Gute Fahrt und sammelt weiterhin Eindrücke ....
    Gruß Frank

  • #4

    birkenblick (Mittwoch, 26 April 2017 08:59)

    Hallo,
    mit viel Vergnügen lesen wir eure Erfahrungen vor und während der Reise. Vielen Dank für die ausführlichen Infos, sehr hilfreich und informativ!!
    Wunderschöne Bilder und schöne Berichte, wir freuen uns auf jeden Eintrag.

    Herzliche Grüsse aus dem sehr kalten Norden

  • #3

    Martina (Dienstag, 25 April 2017 14:00)

    Wunderschöne Bilder! Hoffe ihr könnt die Fahrt nun geniessen?! Mein Mann ist beim ersten Mal Womo mieten am Morgen mit eingestecktem Stromkabel abgefahren...und am Abend hat er beim Kochen die Spaghetti statt Wasser abgegossen gleich die ganze Ladung Spaghetti ins Spülbecken gekippt...shit happens...allzeit gute Fahrt.
    Herzliche Grüsse von den 3 Womis aus dem Pössl Forum.

  • #2

    Flow (Dienstag, 25 April 2017 12:35)

    Mensch, was für schöne und witzige Bilder! Gute Reise und tolle Eindrücke!

    Flow

  • #1

    kiwi05 (Dienstag, 25 April 2017 10:41)

    Ich wünsche euch, daß die Anspannung der Vorbereitungszeit bald von euch abfällt und ihr in den Genießer-Flow kommt, um alles gelassen und ohne Hektik anzugehen.
    Die Landschaft hilft dabei doch ganz sicher.
    Übrigens: Auch unsere Sony RX100 wollte mal in Lyon Bodenkontakt haben.....ohne Folgen.