Übernachten im Auto



Unsere Erfahrung in 12 bereisten Europäischen Ländern

Wir waren von April bis September 2017 ein halbes Jahr in Belgien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz und Spanien unterwegs und haben in keinem Land Probleme mit dem Auffinden von Übernachtungsplätzen gehabt:

 

Das Verhältnis von Übernachtungen auf ausgewiesenen Stellplätzen und das "Freistehen" war eindeutig: Wir standen zu >80% frei. Richtige Stell- oder Campingplätze suchten wir nur für wenige Nächte auf, also im Schnitt etwa einmal pro Woche. Der Grund war einzig und allein der, mal ausgiebig zu duschen und die Wäsche zu waschen. Dreimal fanden wir es ganz angenehm zwei bzw. drei Tage auf einem Campingplatz zu stehen, weil wir gesundheitlich etwas angeschlagen waren und die Infrastruktur auf einem guten Platz schon erholsam ist. Viele Campingplätze boten leider für das verlangte Geld längst nicht das, was wir erhofft hatten. Meist waren es die sanitären Verhältnisse, die uns enttäuschten, manchmal auch schockierten.

 

Das "Freistehen" stellte in allen bereisten Ländern trotz der unten aufgeführten "offiziellen" regionalen Verbote in manchen Ländern überhaupt kein Problem dar - vielleicht lag es auch am unauffälligen Äußeren von unserem Fahrzeug "Carl Camper" - oder daran, dass wir nicht vor dem Auto Stühle, Tisch und den (nicht vorhandenen) Holzkohlegrill aufgebaut hatten.

 

Hier noch ein kurzer Blogartikel zu diesem Thema!


"Freies Stehen" mit dem Wohnmobil

Ich dachte, ich sei recht erfahren in Sachen "Reisen", aber leider ändern sich mit der Zeit die Regeln! In den vergangenen drei Jahrzehnten (besonders in den 90er Jahre) bin ich schon ein wenig in der Welt herumgekommen und war mit den unterschiedlichsten Verkehrsmitteln inklusive den Füßen unterwegs. Ich habe mich immer gut orientieren und versorgen können und die Schlafplatzsuche war nur selten ein Problem. Eigentlich war es meist recht stressfrei - ich habe da geschlafen, wo es mir gefallen hat! Heutzutage ist das zumindest in Europa deutlich schwieriger geworden - es gibt aus mehreren Gründen immer mehr Regeln, Einschränkungen und Verbote für den Reisenden.

 

Unterwegs war ich früher auf längeren Reisen mit selbstausgebauten - manchmal gemieteten - Campern und Allrad-Autos - ähnlich wie unten zu sehen. In den letzten Jahren hatte ich mein "Wohnmobil für Arme" - einen stinknormalen und sehr sparsamen Opel Astra Caravan aus 2005 (Verbrauch übrigens nur ø 4,5l/100km über 200.000km ermittelt - soviel zum Thema technischer Fortschritt) mit einem super komfortablen verstellbaren Lattenrost und dicker ThermaRest-Deluxe-Matratze im Heck. Die Liegefläche hatte die Maße 190x70cm, so dass auch noch eine Kühlbox, eine Vorratsbox und meine Zarges-Fotokiste Platz fanden. Für mich alleine war das völlig in Ordnung! Der große Vorteil dieses unauffälligen Autos war, dass ich wirklich überall übernachten konnte, ohne entdeckt zu werden.

Mit dem VW Bully T2 in Australien 1988
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VW T2 auf dem Weg zu Kata-Tjuta
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Bremach-Iveco: Mein "Traummobil"
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VW T3 Synchro mit starrem Hochdach
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Land Rover Defender 110 mit Hubdach
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Opel Astra H - der kleine "Einmanncamper"
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Nun, in 2017 soll alles anders werden: Wir reisen zu zweit und wollen auf ein wenig Komfort nicht verzichten. Unser eigentlich recht unauffälliges Fahrzeug wird als Campmobil mit Sicherheit nicht so schnell erkannt, aber zumindest aus der Nähe wird es wohl doch als solches zu erkennen sein. Das bedeutet, dass Übernachten "under cover" nicht mehr ganz so einfach sein wird. Die romantische Freiheit, die man als Wohnmobilfahrer früher hatte, ist sowieso vorbei - zumindest in der Nähe der Touristen-Hot-Spots. Mittlerweile sind einfach unglaublich viel Wohnmobile und Caravangespanne überall in Europa unterwegs. Wir gehören natürlich auch dazu, deshalb können wir uns darüber eigentlich nicht beschweren!

 

Viele Kommunen in der Nähe von Sehenswürdigkeiten, besonders von schönen Küstenabschnitten, reagieren mittlerweile immer häufiger mit entsprechenden Park- und vor allem Übernachtungs-Verboten auf den riesigen Andrang der Wohnmobilisten. An immer mehr attraktiven Stränden sind die Parkplätze nur noch mit normalen PKW zu nutzen. Die Einfahrt für größere Wohnmobile wird dann oft durch sogenannte "Teppichstangen"-Höhenbegrenzungen unmöglich gemacht. Trotz all den Schikanen und Schwierigkeiten "erfährt" man eine Reise im Wohnmobil doch ganz anders, als wenn man nur in Hotels und Gasthäusern übernachtet. Campen auf Campingplätzen ist übrigens seit Längerem auch alles andere als günstig. Und schauen Sie sich mal die Preise von Wohnmobilen an - der absolute Wahnsinn!

 

Im täglichen Camperleben muss der Reisende beim Übernachten außerhalb von Campingplätzen und Stellplätzen etwas Grundlegendes beachten: Eine einmalige und möglichst unauffällige Übernachtung - manchmal auch nur zum Erhalt der Fahrtauglichkeit - wird eher toleriert als das Campen mit Aufstellen der Stühle inklusive Tisch und dem qualmenden Grill vor dem Auto. Heute ist es - insbesondere mit einem größeren und vor allem deutlich erkennbaren Wohnmobil (ich meine die "Weißen Riesen") - leider nicht mehr ganz so unproblematisch wie früher mit dem "Pennen da, wo es am schönsten ist..." Es wird eher immer stressiger und teurer. Siehe auch unten im Absatz "Es wird voll"!

 

In Europa gibt es leider keine einheitliche Regelung, sodass man sich über die Gesetzeslage in jedem einzelnen Land genau informieren muss, manchmal gibt es sogar innerhalb eines Landes unterschiedliche regionale Bestimmungen. Ich habe mal versucht, die äußerst unterschiedlichen Bestimmungen der einzelnen Länder farblich in drei Gruppen einzuteilen, damit man sich leichter einen Überblick verschaffen kann.


"Freies Stehen": Wo ist es offiziell erlaubt - wo nicht?

Grün: Hier ist die Übernachtung außerhalb von Camping- bzw. Wohnmobil-Stellplätzen zumindest für eine Nacht in der Regel kein Problem. Vor Ort sind natürlich mögliche Verbotsschilder zu beachten! Besonders in der Nähe von Sehenswürdigkeiten ist das Übernachten oftmals nicht erlaubt. Auf jeden Fall vorher genau informieren!

 

Gelb: Hier wird es schon wesentlich schwieriger, ein geeignetes Plätzchen zu finden! Man muss für jedes Land und leider auch regional die jeweilige Gesetzeslage genau abklären, sonst kann es sehr teuer werden!

 

Rot: In diesen Ländern sollte man möglichst nicht ausserhalb von ausgewiesenen Camping- und Wohnmobil-Stellplätzen übernachten. Es drohen horrend-hohe Geldstrafen, vereinzelt gar Haftstrafen.


Genauere Informationen zur gesetzlichen Regelung in den einzelnen Ländern findet man z.B. beim ADAC und auf vielen einschlägigen Camperseiten im Internet, oder eben auf den Infoseiten der jeweiligen Länder. Es ist sehr mühsam und nervend, an diese Informationen zu kommen.

Quelle: Promobil

Zum Vergrößern bitte anklicken!

ADAC Wohnmobile bis 3,5t: Info zum "Freien Stehen"



Übernachten im Auto - Regelung in Deutschland

Grundsätzlich ist das Übernachten in einem Fahrzeug in Deutschland nicht verboten. Insbesondere, wenn die Übernachtung der "Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit" dient. Bei Wohnmobilen ist aber der "Allgemeingebrauch zum Wohnen" zu beachten. Das entspricht nämlich einer sogenannten "Sondernutzung".

 

In der Straßenverkehrsordnung ist das im § 12 StVO  geregelt, wo man überall nicht parken darf. Im Abs. 4 Satz 1 die Art und Weise. Das Parken gehört also zum sog. Gemeingebrauch des Fahrzeuges und ist überall dort erlaubt, wo es nicht durch die §§ 1 Abs. 2; 12 oder 13 StVO eingeschränkt wird. In der Konsequenz ist es so, dass wir auch mit unserem Wohnmobil überall dort parken dürf(t)en, wo es nicht ausdrücklich verboten ist. Das Übernachten bedeutet aber etwas anderes...

Gesetzliche Regelungen findet man zum Übernachten auf Parkplätzen in der StVO nicht, gibt es kein Verbot. Beim Wohnmobil besteht jedoch aufgrund der Nutzungsart des KFZ die Abgrenzung und Problematik zum Wohnen, was eine Sondernutzung darstellt. Bei einer einmaligen Übernachtung handelt es sich um einen Gemeingebrauch und um keine Sondernutzung. Schwierig wird es aber bei einer Urlaubsreise, denn dies ist eine Sondernutzung im Sinne von Wohnen im Auto.

 

Das bedeutet: Sofern keine Einschränkungen im Sinne der StVO vorliegen, ist das einmalige Übernachten, insbesondere zur Wiederherstellung der Fahrtüchtigkeit im öffentlichen Straßenraum in jedem Falle zulässig!

 

Es gab jedoch vereinzelt Gerichtsurteile, die das mit der Sondernutzung eines Wohnmobils zu Ungunsten der Camper auslegten...

 

Was lernen wir daraus? Möglichst unauffällig verhalten, keine Stühle und Tische vor dem WoMo aufstellen, keinen Dreck hinterlassen und wenn man angesprochen wird: Immer freundlich sein und darauf hinweisen, dass man weiterfährt, sobald man sich etwas erholt hat - also Übernachten und nicht Campen.


Es wird voll ...

Der Freizeitfahrzeug-Boom in Deutschland ist nach wie vor ungebrochen. Jährlich steigen die Zulassungszahlen von Wohnmobilen und Wohnanhängern. Man merkt das auch im täglichen Straßenverkehr - selbst außerhalb der eigentlich Hauptsaison. Und ganz besonders spürt man das, wenn man mit einem solchen Gefährt einen freien Stell- oder Campingplatz sucht! Diese hohen Zahlen erklären die endlos langen Wartezeiten bei Neufahrzeugen, die Tatsache, dass es eigentlich gar keinen Rabatt auf die Listenpreise gibt und natürlich in der Folge auch die enorm hohen Gebrauchtwagen-Preise! Mal schauen, wie lange dieser Trend anhält. 

 

Hier die Zulassungszahlen für das Jahr 2016:

  • Caravan/Wohnanhänger: 19.748
  • Wohnmobile: 35.136
  • Das macht gesamt 54.884 Neuzulassungen bei Freizeitfahrzeugen

Wo sollen die alle übernachten? Camping-Zahlen/Daten/Fakten


Lästig: Kondenswasser im Auto

Beim Schlafen im "normalen PKW" bzw. im schlecht isolierten Auto ist die Kondenswasserbildung ein großes Problem wenn es etwas kühler und feuchter wird - ähnlich schlimm wie im Zelt. Durch die Glasflächen ist die Isolierung bescheiden und wenn dann eine gute Belüftung durch offene Fenster nicht möglich ist weil es regnet, hat man eine Feuchtraum-Wohnung. Dagegen hilft nur Lüften und Heizen! Oder die Atmung und den Rest der Körperausdünstungen einstellen ...

 

Mein Tipp:

Abhilfe schaffen hier die wirklich genialen Wind- und Regenabweiser aus dem KFZ-Zubehörhandel. Ich rüste in den letzten drei Jahrzehnten alle meine Autos damit aus. Es handelt sich um die Kunststoffabweiser an der Vorder- bzw. Oberkante der Türen (auf den Fotos teilweise zu erkennen). Achten Sie hier auf eine gute Qualität - ich benutze vom ersten Auto an die wirklich hervorragenden Abweiser aus deutscher Produktion von ClimAir.

 

Auch der Hund wird es ihnen danken wenn Frischluft ins Auto kommt, der Regen aber draussen bleibt. Angeblich sollen auch Raucher davon profitieren ...

 

Wenn es draußen kühler wird, kann es auch sinnvoll sein, die Frontscheiben von außen abzudecken, da sich im Führerhaus des Wohnmobils in der Regel die einzigen unisolierten Scheiben befinden! Wir benutzen die Frontscheiben-Außenisolierung von Hindermann, Modell "Four Seasons" für das ganze Jahr. Sie isoliert perfekt, verhindert Kondenswasserbildung und ist mit knapp 2kg relativ leicht und klein faltbar. Sie kostet im Vergleich zu anderen Modellen auch "nur" ca. 90 €. Bei einer Innenisolierung, die zwar praktischer ist, bleiben die Scheiben kalt und es bildet sich trotz der Isolierung Kondenswasser an der Innenseite der Scheibe. Leider kann man jedoch bei den Außenisolierungen ohne auszusteigen nicht losfahren...


StellplatzOrdnung aus Spanien

 

DER DEKALOG DES GUTEN AUTOVOHNWAGENER

 

Werbeprospekt und Verhaltenshinweise für einen Stellplatz in Chinchila de Monte Aragon, Spanien.

Hier seht ihr die deutsche Übersetzung - wir haben uns natürlich exakt an diese Anweisung gehalten!

 

 

Jetzt aber mal ernsthaft: Manchmal ist es wirklich beschämend, wie sich viele (leider oftmals deutsche) Wohnmobilisten auf Stellplätzen verhalten. Der größte Unterschied von Stellplatz und Campingplatz ist der, dass Stellplätze vorrangig zur reinen Übernachtung dienen sollen. Das eigentliche "Campen", also das häusliche Einrichten vieler Camper vor dem Fahrzeug mit geöffneter Markise, aufgestellten Tischen und Stühlen und dem obligatorischen qualmenden Kohlegrill wird auf Stellplätzen nicht geduldet oder ist gar verboten. Leider halten sich viele Wohnmobilisten nicht daran und belegen als erstes nach ihrer Ankunft auch gleich noch den Nachbarplatz mit ihrem Hausrat und der oben genannten Wohlfühlausstattung. Dummerweise sind Stellplätze zumindest außerhalb Deutschlands recht rar und auch die Anzahl der Parkbuchten je Stellplatz ist meist überschaubar. Wir haben leider einige Male erleben müssen, das man nahezu jeden zweiten Parkplatz nicht benutzen konnte, weil der liebe Nachbar dort anscheinend dauerhaft campierte. Dann hilft nur resolutes Auftreten und darauf bestehen, dass der belegte Platz geräumt werden soll. Freunde für einen abendlichen Schnack macht man sich so allerdings nicht ...